Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland:
Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt

 

Vorwort

 

Im November 1991 übergab die Jüdische Gemeinde Frankfurt dem Heidelberger Zentralarchiv acht Kartons mit Archivalien zur Bearbeitung. Diese Kartons standen in einem Nebenraum der Westendsynagoge, in dem auch Bücher aufbewahrt wurden. Weder über den Inhalt noch über die Vorgeschichte war in der Gemeinde etwas bekannt. Zwei der Kartons enthielten Kennkarten, die im Jahr 1939 ausgestellt worden waren. Die anderen Archivalien zeigten Spuren einer früheren Bearbeitung, sie waren numeriert und in einheitlichen Archivkartons untergebracht. Dies ist wahrscheinlich Ende der sechziger Jahre geschehen. Darauf weist z.B. eine von Paul Arnsberg geschriebene Inhaltsbestimmung hin, die der Nr. 8 (Mainzer Grabinschriften) beilag und auf April 1968 datiert ist. "Um 1965" sind die bereits numerierten Stücke vom Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden verfilmt worden (Abt. 3010). Damals wurden die Archivalien noch im Philanthopin gelagert. Einige der 1965 verfilmten Stücke waren 1991 nicht mehr vorhanden (Nr. 11, 20). Die beiden Kartons mit Kennkarten sind um 1965 nicht zur Verfilmung gebracht worden.

 

Bei der Neubearbeitung der Archivalien durch das Heidelberger Zentralarchiv im Laufe des Jahres 1992 wurden die bereits vorhandenen Nummern beibehalten, auch wenn durch die inzwischen eingetretenen Verluste die Zählung mitunter springt. Der Übersichtlichkeit halber wurde die Sammlung in drei Abteilungen gegliedert. Und schließlich wurden die Kennkarten noch als vierte Abteilung hinzugefügt. Es fand eine intensive Erschließung statt. Vielfach sind Personenregister angelegt worden.

 

Sämtliche Unterlagen beziehen sich auf Juden aus Hessen. Teilweise handelt es sich um Originale, die im 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts bei den Jüdischen Gemeinden oder den Bürgermeisterämtern entstanden sind, wie etwa Geburtsregister, Eheverträge, Friedhofsbücher. Daneben gibt es aber auch Schriftgut, daß aufs engste mit der Politik des NS-Staates zusammenhängt. Aus einzelnen Indizien lassen sich Andeutungen gewinnen, auf welchem Weg die Unterlagen aus den verschiedensten Orten zusammengeführt worden sind. In den Vorbemerkungen zu den einzelnen Stücken wird diese Frage jeweils ausführlich behandelt. Zunächst scheint die Bezirksstelle Hessen-Hessen Nassau der Reichsvereinigung der Juden mit Sitz in Darmstadt einige Quellen verwaltet zu haben. Später waren die Unterlagen dann offensichtlich beim Gausippenamt in Frankfurt. Ein großer Teil der nach dem Krieg in den Räumen des Gausippenamtes gefundenen jüdischen Register ist 1953 durch Vermittlung der Jewish Cultural Reconstruction nach Jerusalem in die Central Archives for the History of the Jewish People gelangt. Bei der vorliegenden Sammlung dürfte es sich um einen kleinen Rest handeln, der damals liegen geblieben ist. Auf diese Weise sind auch manche Zusammenhänge auseinander gerissen worden. Von den Mainzer Grabinschriften z.B. liegen heute zwei Bände in Frankfurt (Nr. 7/8) und einer in Jerusalem

 

Die Sammlung hat einen Umfang von 1, 5 lfm. Sie wurde zunächst von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt verwaltet, seit 1995 liegt sie als Depositum im Heidelberger Zentralarchiv. Angaben über anderorts vorhandene Kopien finden sich im Verzeichnis.

 

Heidelberg, im Juli 1992 (für die Veröffentlichung im Internet 2006 geringfügig überarbeitet)

Peter Honigmann

 

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